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Die Burnout Falle

Immer häufiger nimmt Stress in unserem Alltag überhand. Geist und Verstand kontrollieren alles und sind unter Dauerbeschuss. Körper und Seele kommen zu kurz. In unserer heutigen Leistungsgesellschaft sind 10 - 14 Stunden Arbeitstage ohne Pause keine Seltenheit. Immer perfekt, immer flexibel, ohne Rücksicht auf Ausgewogenheit und Ausgleich. Dieser Tagesablauf wird oft zum alles bestimmenden Lebensrhythmus.

Auch in Privatleben und Freizeit, so fixiert auf Leistung, merken wir oft erst (zu) spät, dass wir unsere seelischen Bedürfnisse nach Erholung, Pflegen von Freundschaften, Familienleben, persönlicher Weiterentwicklung usw. vernachlässigt oder gar nicht erst gespürt haben.

Nach der Arbeit schnell noch ins Fitnessstudio, ohne Pause weitermachen, nur das „Spielfeld" wird gewechselt. Der Berufsballast wird mit in die Freizeit getragen. Noch Unerledigtes und (vermeintlich) unaufschiebbar Wichtiges wird weiter reflektiert, gar Freunde und Familie in die Problembearbeitung miteinbezogen. Ein Teufelskreis entsteht, die Freizeit wird nicht zu Entspannung genutzt, das soziale Umfeld ist ebenfalls überfordert.

Loslassen und Entspannen sind weit verbreitete Modetrends geworden als Ausgleich für ständiges Festhalten und Anspannen in unserer „Macher-Gesellschaft", in der wir viel zu sehr den Stressfaktoren ausgesetzt sind. In fernöstlichen Traditionen wurden schon immer beide Bereiche dieser Polarität beachtet: Spannung und Entspannung. Uns fehlt im Alltag das Entspannen und zu oft das richtige Loslassen. Denn oft ergibt sich zeitgemäß die Frage: wie geht das überhaupt? Perfekt Loslassen? Was muss ich beachten? Und wann habe ich eigentlich Zeit dafür? Und schon stecken wir wieder in der Falle.

 

 

Die Bedürfnisse unserer Seele haben wir weder gespürt noch berücksichtigt. Wir sind völlig überlastet - Körper und Geist haben wir ausgepowert. Die oft späten Symptome sind schon letzte Warnsignale, unser Körper weigert sich: Rücken- und Kopfschmerzen, Krankheiten, Depression, burned-out. Der englische Begriff „totally exhausted" beschreibt diesen Zustand der Erschöpfung sehr gut.

Burnout leiden 

Ein innerliches Ausgebranntsein, so beschreibt der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger 1974 ein zunehmend häufiges Symptom in unserer heutigen Leistungs- und Konsumgesellschaft. Anfangs besonders beobachtet in helfenden Berufen mit hoher Arbeitsbelastung und hohem persönlichem Engagement, trifft es mittlerweile alle Bevölkerungs- und Berufsschichten. Selbst Hochleistungssportler, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, klagen. Und hier liegt paradoxerweise oft die Ursache für den verhängnisvollen Teufelskreis.

Erfolgreich und begeistert – erschöpft und ausgelaugt: der Teufel steckt im Detail. Beruf als Berufung, emotionales Brennen für den Job, berufliche Erfolge laden den persönlichen Akku auf. Ein Macher, der im Job die Erfüllung zu finden scheint, in jeden Entscheidungsprozess involviert, beruflich angesehen, nimmt immer gerne neue Aufgaben an. Doch genau hier heißt es aufpassen. Was ist die Motivation dafür? Eine gesunde Einstellung zur Arbeit und Freude an der Herausforderung? Oder sind wir nicht in der Lage „nein" zu sagen, weil wir es gewohnt sind und es zu unserem Anspruch gemacht haben, jede erdenkliche Anforderung perfekt zu meistern. Will ich mich (ausschließlich) durch mein übertriebenes Engagement beweisen, kämpfe ich um einen angestrebten Status, vermeintliche Anerkennung von Chefs und Kollegen? Vernachlässige ich der Arbeit zuliebe soziale Kontakte, gefährde ich Freundschaften – was sind eigentlich meine eigenen Bedürfnisse? Findet mein persönliches soziales Leben mehr und mehr in der Arbeit statt oder im Kontakt mit dem Kunden?

 

 

An das Engagement für den Job werden unrealistische Erwartungen (höheres Gehalt, mehr Aufmerksamkeit) geknüpft, die oft nicht befriedigt werden. Diese emotionale Enttäuschung wird zum Nährboden des Burnout Syndroms. Mit weniger Einsatz erhalten andere den gleichen Applaus und womöglich mehr Gehalt. Neidgefühle gegenüber Kollegen entstehen, die erhoffte Anerkennung bleibt aus, Ärger auf die Firmenleitung entsteht, Frustration und Selbstzweifel machen sich breit. Die Konfliktspirale setzt sich in Gang. Genährt durch negative Glaubenssätze wie „ich bin nichts mehr wert", "es ist nie genug", u.ä. schleicht sich die Depression an.

Perfektionismus und Leistungsorientiertheit sind in vielen Fällen innere Antreiber, gepaart mit ständiger negativer Selbstbeurteilung „wieder nicht geschafft", „ich bin ein Versager, wenn ich nicht großartig bin". Mittelmäßigkeit ist der natürliche Feind des Perfektionisten.

Der eigentliche Stress entsteht also meist im Kopf. Stress ist an und für sich eine positive Einrichtung der Natur. Hormone werden ausgeschüttet, die den Körper auf Flucht oder Angriff und Schmerzunempfindlichkeit programmieren. Ist die gefährliche Situation vorbei, normalisiert sich der Hormonpegel wieder, der Stress wird abgebaut. Nicht beim Perfektionisten. Der Körper erlebt den ganzen Tag immer wieder schwere Prüfungen, der Stress wird nicht adäquat abgebaut. Über einen langen Zeitraum zirkuliert Cortisol, das Stresshormon Nummer 1, und führt u.a. zu hohem Puls und Blutdruck, Schädigung von Arterien und Herzkranzgefäßen, Zuckerkrankheit und Demenz.

Gute Gründe, rechtzeitig aus dem Teufelskreis auszusteigen!

Der Autor
Max Köberl (46), promovierter Chemiker, Verkauf und Beratung im Außendienst der Pharmaindustrie, ist Trainer/Berater/Coach im Team von LORENZ-SEMINARE Personality- & Competence-Training, Weidenthal/Pfalz.

Kontakt und weitere Informationen unter:
Telefon  0049 (0)6329.989243
Fax  0049 (0) 6329.989430
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