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Autohersteller in China müssen Überkapazitäten managen

Für Autohersteller in den Wachstumsmärkten Brasilien, Russland, Indien und China wird es immer wichtiger, sich mit dem Problem der Überkapazitäten zu beschäftigen. Denn aufgrund der starken einheimischen Nachfrage und durch staatliche Anreize wird die Zahl der Autofabriken in diesen Ländern in den kommenden Jahren stark wachsen.Alleine in China wird sich die Zahl der Werke von 2009 bis 2014 von 120 auf knapp 160 erhöhen. Dadurch ergibt sich eine Kapazitätsausweitung um 117 Prozent auf 35 Millionen Fahrzeuge pro Jahr.

Das hat eine aktuelle KPMG-Analyse auf Basis der Daten von LMC Automotive ergeben, die heute anlässlich der Peking Motor Show (23.4.-2.5.2012) vorgestellt wurde. Diese Zahl wird durch den ambitionierten "12. Fünf-Jahres-Plan" bestätigt, der einen Anstieg der Produktionskapazität in China von heute rund 23 Millionen Fahrzeugen auf über 37 Millionen in 2015 vorsieht.

Mathieu Meyer, globaler Leiter des Automobilbereichs bei KPMG:  "Hersteller in China scheinen gewillt zu sein, hohe Risiken einzugehen, um ihre Marktpräsenz im Reich der Mitte sicherzustellen. Überkapazitäten sind auch in einem gewissen Ausmaß nötig, um auf eine schwankende Nachfrage möglichst flexibel reagieren und vom rasanten Wachstum in den Schwellenländern profitieren zu können. Doch eine sich abzeichnende Überkapazitätsquote von dauerhaft rund 30 Prozent ist bei weitem zu hoch. Angesichts der sich in China abkühlenden Nachfrage bei gleichzeitigem Ausbau der Kapazitäten wird ein effektives Kapazitätsmanagement zu einer unabdingbaren Voraussetzung, wenn die Hersteller ihre Fixkosten im Griff behalten und sich angemessene Margen sichern wollen."

Auf dem chinesischen Markt konkurrieren über 130 Hersteller miteinander. Andrew Thomson, Leiter des Automobilbereichs von KPMG China: "Die meisten davon sind kleine Unternehmen mit geringer Profitabilität und einer jährlichen Produktionskapazität von weniger als 10.000 Fahrzeugen. Diese Zahlen machen deutlich, dass auch das Problem der strukturellen Überkapazitäten gelöst werden muss."

Chinesische Exporte verschärfen die Lage für westliche Hersteller
Bei der sich abzeichnenden Abflachung der inländischen Auto-Nachfrage werden chinesische Autohersteller auch ihre Exportbemühungen deutlich verstärken müssen, um die entstehenden Produktionskapazitäten auslasten zu können. Spätestens 2014 werden über 1 Million in China produzierte Fahrzeuge den Weg auf den Weltmarkt finden - Tendenz stark steigend. Mathieu Meyer: "Das verschärft die Lage zusätzlich. Zudem wird es für die europäischen und amerikanischen Hersteller immer schwieriger, auf dem Heimatmarkt vorhandene Produktionskapazitäten durch Exportfahrzeuge auslasten zu können. Zumal auch die Kapazitäten in Indien von 2011 bis 2014 um rund 2,5 Millionen Fahrzeuge steigen werden und in Brasilien dank einiger neuer Werke im gleichen Zeitraum über 800.000 Einheiten an zusätzlicher inländischer Kapazität hinzukommen."

In Brasilien scheint es den Konzernen bereits gelungen zu sein, eine ausgewogene Balance zwischen maximaler Flexibilität und niedrigen Fixkosten herzustellen. So soll die Produktionskapazität der dortigen Hersteller bis 2016 zwar um rund 1 Million Fahrzeuge aufgestockt werden, aber auch zu über 90 Prozent ausgelastet sein. Mathieu Meyer: "Das liegt daran, dass der brasilianische Automobilmarkt im Gegensatz zu seinen asiatischen Pendants schon seit Jahrzehnten mit sehr hoher Volatilität konfrontiert ist. Fahrzeughersteller in Brasilien können beim Thema Kapazitätsmanagement dementsprechend auf jahrelange Erfahrungen zurückblicken. Automärkte wie China und Indien dagegen kennen bisher nur eine Richtung, nämlich aufwärts."

In Deutschland werden die Produktionskapazitäten hingegen moderat wachsen. Von 2011 bis 2014 ist ein durchschnittliches jährliches Kapazitätswachstum von etwa 2,4 Prozent zu erwarten. Konnten die deutschen Hersteller dank der boomenden Nachfrage in den Wachstumsmärkten 2011 ihre Werke noch zu 90 Prozent auslasten, wird die Auslastung in den kommenden Jahren voraussichtlich auf rund 80 Prozent sinken. Die tatsächliche einheimische Produktion dürfte im selben Zeitraum von 5,98 Millionen (2011) um zwei Prozent jährlich auf 5,63 Millionen in 2014 zurückgehen.

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