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Starker Anstieg bei Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen

Deutsche börsennotierte Unternehmen verfehlen immer häufiger ihre eigenen Umsatz- oder Gewinnprognosen: Im Jahr 2014 gaben die im Prime Standard gelisteten Unternehmen insgesamt 92 Gewinn- oder Umsatzwarnungen heraus – ein Anstieg um 18 Prozent gegenüber 2013, als die Unternehmen in 78 Fällen bekannt machten, dass sie ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreichen können. Im Vergleich zu 2011 stieg die Zahl sogar um 88 Prozent – von 49 auf 92.

Hauptgründe für die im vergangenen Jahr veröffentlichten Prognosekorrekturen waren externe Marktfaktoren wie Eintrübungen der Konjunktur oder ein Nachfragerückgang (42 Prozent) sowie Schwierigkeiten bei internen Abläufen, Änderungen des Produktportfolios oder außerplanmäßige Kostensteigerungen (22 Prozent). Bei jeder siebten Prognoseanpassung waren Probleme im Russland-Geschäft der Grund. Hohe Restrukturierungskosten waren hingegen für jede achte Gewinn- oder Umsatzwarnung verantwortlich.

Wenn die Unternehmen im vergangenen Jahr Gewinnwarnungen veröffentlichten, fiel die Korrektur zumeist sehr deutlich aus: Im Durchschnitt reduzierten sie ihre Gewinnprognose um 89 Prozent. Einen Höchststand erreichte die Zahl der Gewinnwarnungen im letzten Viertel des vergangenen Jahres, als insgesamt 35 Gewinnwarnungen veröffentlicht wurden.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die veröffentlichungspflichtige Korrekturen an Gewinn- und Umsatzprognosen in den Jahren 2011 bis 2014 untersucht1. Für die Analyse wurden 319 Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse betrachtet.

Immer mehr Gewinnwarnungen trotz besserer Wirtschaftslage

Obwohl die deutsche Wirtschaft 2014 mit 1,6 Prozent deutlich stärker wuchs als im Vorjahr (0,2 Prozent), stieg die Zahl der Gewinn- und Umsatzwarnungen deutscher börsennotierter Unternehmen noch einmal an – von 78 auf 92. Bernd Richter, Partner bei EY, führt dies vor allem auf die Vielzahl an politischen und wirtschaftlichen Krisen zurück, die die Unternehmen unvorbereitet trafen: „Massive Währungsschwankungen, die Spannungen mit Russland und der Krieg in der Ostukraine, Terrorismus in Europa und zum Jahresende noch der Absturz des Ölpreises: 2014 war ein schwieriges und turbulentes Jahr, das den Unternehmen ein hohes Maß an Flexibilität abverlangte. Nicht alle waren darauf angemessen vorbereitet".

 

Zudem hätten viele Experten und offenbar auch viele Unternehmen zu Beginn des vergangenen Jahres mit einem noch stärkeren Wirtschaftsaufschwung in Deutschland und weltweit gerechnet – aber gerade zur Jahresmitte geriet die deutsche Wirtschaft in eine Schwächephase. Die Unternehmen reagierten mit Kostensenkungsmaßnahmen, die allerdings häufig zunächst einmal Geld kosten und erst mittelfristig zu Einsparungen führen. Entsprechend häufig – in zwölf Prozent der Fälle – begründeten die Unternehmen ihre Prognosekorrektur auch mit unerwartet hohen Restrukturierungskosten.

„Viele Unternehmen wurden von der neuen Volatilität auf den Märkten überrascht. Sie haben ihre internen Prozesse und Planungen noch nicht daran angepasst", so Richter. Das wäre aber dringend nötig, denn: „Unordnung, Instabilität und Volatilität sind heute nicht mehr die Ausnahme sondern die Regel. Boom-Phasen und Konjunktureinbrüche wechseln sich immer rascher ab".

TecDAX-Unternehmen verfehlen besonders häufig Gewinnziele

In den vergangenen vier Jahren mussten 43 Prozent der im Prime Standard gelisteten Unternehmen mindestens einmal eine Gewinnwarnung veröffentlichen, 29 Prozent gaben mindestens eine Umsatzwarnung heraus. Dabei war der Anteil der Unternehmen mit mindestens einer Gewinn- oder Umsatzwarnung im TecDAX mit 47 bzw. 50 Prozent am höchsten. 

Im Jahr 2014 veröffentlichten immerhin 22 Prozent der im Prime Standard notierten Unternehmen mindestens eine Gewinnwarnung – 14 Prozent der Unternehmen schraubten ihre Umsatzprognose herunter.

Zahlreiche Unternehmen mussten allerdings gleich mehrfach ihre Prognosen nach unten korrigieren – vor allem im DAX, wo sechs der 30 Unternehmen in den vergangenen vier Jahren zwei oder mehr Gewinnwarnungen veröffentlichten. Dadurch entfielen auf die 30 Dax-Konzerne in den vergangenen vier Jahren insgesamt 27 Gewinnwarnungen – ein Schnitt von 0,23 Gewinnwarnungen je Unternehmen und Jahr und mehr als in den anderen Segmenten. Bei den im TecDAX und SDAX notierten Unternehmen betrug der Wert nur 0,16.

Es waren zudem vor allem Großkonzerne mit mehr als fünf Milliarden Euro Jahresumsatz, die ihre Gewinnprognosen häufig nach unten korrigieren mussten – bei ihnen liegt der Schnitt bei 0,25 Gewinnwarnungen pro Unternehmen und Jahr. Richter führt die relativ hohe Zahl an Gewinnwarnungen bei Großkonzernen auf deren überdurchschnittlich starke internationale Ausrichtung zurück: „In den vergangenen Jahren war die Entwicklung gerade auf außereuropäischen Märkten besonders volatil. Die Kapitalflucht aus Schwellenländern, Währungsturbulenzen und Naturkatastrophen in Asien haben zu erheblichen Schwankungen im Geschäft gerade mit den Schwellenländern und zu teilweise erheblichen Umsatz- und Gewinnausfällen geführt".

Gewinnprognosen werden nur selten übertroffen

Noch im Jahr 2011, als die deutsche Wirtschaft um 3,1 Prozent wuchs, korrigierten die Unternehmen ihre Gewinnprognosen häufiger nach oben als nach unten: Den insgesamt 42 Gewinnwarnungen standen 58 sogenannte Gewinnerwartungen gegenüber. Während die Zahl der Gewinnwarnungen in den folgenden Jahren kontinuierlich stieg, lag die Zahl der Gewinnerwartungen in den drei Folgejahren nur bei durchschnittlich 25.
„Dass die Gewinnprognosen nur selten übertroffen werden, dafür aber immer häufiger nach unten korrigiert werden müssen, zeigt, dass viele Unternehmen bei ihren Planungen zu optimistisch sind", stellt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, fest. „Dieser Optimismus rächt sich allerdings, wenn die Unternehmen – zumeist im letzten Quartal des Jahres – eingestehen müssen, die eigene Gewinnprognose nicht halten zu können – denn dann rauschen die Aktienkurse vielfach in den Keller."

Gewinnwarnungen führen zu Kurseinbrüchen

Im Durchschnitt brachen die Kurse der betroffenen Unternehmen am Tag der Gewinnwarnung um acht Prozent ein, und sie konnten sich auch in der Folgewoche nicht wieder erholen: Eine Woche nach Bekanntgabe der Gewinnwarnung lag der Aktienkurs im Durchschnitt um neun Prozent niedriger als vor der Ad-hoc-Meldung.

„Das Vertrauen der Investoren ist rasch verspielt – und kann anschließend nur langsam und mühsam zurückgewonnen werden. Für die Unternehmen heißt das: Sie sollten schon bei der Prognoseerstellung ansetzen, verschiedene Szenarien einbeziehen und dies in der Diskussion um Key Performance Indikatoren und im Erwartungsmanagement  bei Analysten stärker berücksichtigen". Mittelfristig mache sich ein solcher Ansatz bezahlt und erzeuge Vertrauen aufseiten der Anleger, so Steinbach.

Richter räumt zwar ein, dass es immer schwieriger werde, belastbare Prognosen aufzustellen: „Die Unternehmen können nicht auf jede Eventualität vorbereitet sein". Die hohe Zahl an Gewinnwarnungen, die auf interne Faktoren wie Restrukturierungen, Verschiebungen im Produktportfolio oder Probleme bei Produktionsanläufen zurückzuführen sind, zeige aber, dass nicht allein externe – für die Unternehmen nicht zu beeinflussende – Faktoren eine Rolle spielten: „Viele Probleme sind hausgemacht und durchaus auch längerfristig absehbar".

Medien, Immobilien und Chemie mit wenigen Gewinnwarnungen

In den vergangenen vier Jahren gaben Unternehmen, die Dienstleistungen für Verbraucher anbieten, besonders häufig Gewinnwarnungen heraus: Auf jedes Unternehmen aus diesem Sektor entfielen im Durchschnitt 0,4 Gewinnwarnungen pro Jahr. Auch Hersteller von Kleidung und anderen Gebrauchsgütern mussten mit durchschnittlich 0,34 Gewinnwarnungen im Jahr relativ häufig ihre Prognosen nach unten korrigieren. Am seltensten verfehlten Medien- und Immobilienunternehmen (0,02 bzw. 0,04) sowie Chemie- und Telekommunikationsunternehmen (0,08 bzw. 0,09) ihre Ziele.

Download

Die Studie "Prognoseänderungen im Prime All Share" steht hier als pdf-Datei zum Download zur Verfügung.

 

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