Europäische Banken müssen sich anpassen

Veröffentlicht: Montag, 28. Oktober 2013 23:53
Geschrieben von Roland Berger Strategy Consultants

Die europäischen Privathaushalte verfügen über stolze 8,5 Billionen Euro an Einlagen. Diese stellen somit einen Grundpfeiler des europäischen Wirtschaftssystems dar und repräsentieren ein Drittel der gesamten Finanzanlagen. Obwohl die Realrenditen in den letzten Jahren in den meisten EU-Ländern negativ ausfielen, hält die Flucht der Bankkunden in Einlagenprodukte mit niedrigem Risiko an. Seit 2009 haben die Finanzkrise und die Einführung von Liquiditätszielen unter Basel III bei den Banken dazu geführt, dass sich viele auf das Einlagengeschäft zurückbesonnen haben.

Darüber bestreiten Kreditinstitute mehr als die Hälfte ihrer Refinanzierung, so die Ergebnisse der neuen Studie von Roland Berger Strategy Consultants "Retail deposits – prepare for a bumpy ride".

Die Key Facts

Vor der Krise waren Kundeneinlagen für die Banken eine deutlich günstigere Refinanzierungsquelle als Interbankenkredite oder der Kapitalmarkt. Als Folge der Finanzkrise und zahlreicher Zentralbankinterventionen ist heute das Gegenteil der Fall. "Die Banken sind bereit, für Einlagen zu zahlen, weil sie weitgehend stabil und unter Basel III-Gesichtspunkten zwingend notwendig sind", erklärt Frank Heideloff, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. "Aber eigentlich bezahlen Banken im Vergleich zu anderen Refinanzierungsquellen noch zu viel für Einlagen, auch wenn das absolute Niveau inzwischen abgesenkt wurde."

 

Europäische Banken müssen sich der Strukturveränderung anpassen
Um im Einlagen- und Spareinlagengeschäft erfolgreich zu sein, müssen Kreditinstitute die schwierige Balance zwischen Einlagenstabilität, Profitabilität der Bank und Kundenbindung halten. Dafür sollten europäische Banken auf eine Optimierung der Passivseite ihrer Bilanz achten. In der Regel verfügen Banken über hochentwickelte ökonometrische Verfahren, um ihre Assets optimal zu verwalten. Doch um die Passivseite ihrer Bilanz – allen voran ihr Einlagengeschäft – zu managen, fehlen etlichen Kreditinstituten solche Instrumente.

"Banken entscheiden oft über Preise und Produkte im Einlagengeschäft auf Basis der Einschätzungen von Produktmanagern oder auch ad hoc, wenn Liquiditätsdruck herrscht, anstatt auf solide mathematische Modelle zurückzugreifen" erklärt Roland Berger-Experte Heideloff. "Einlagenmanagement durch Kampagnen – das funktionierte noch vor der letzten Finanzkrise, ist aber heute kein praktizierbares Modell mehr. Denn heute entscheidet eine optimierte Passivseite der Bilanz zunehmend über die Gewinne der Banken mit."

 

Sparverhalten der Kunden und Elastizität der Einlagen: wichtige Parameter der neuen Einlagenstrategie
In erster Linie sollten Finanzinstitute das Sparverhalten ihrer Kunden genau analysieren, um Potenzial und Gefahren schnell zu erkennen. "Anhand der Kundenaktivitäten können Banken verstehen, ob ein Kunde bereit ist, zu einer anderen Bank zu wechseln oder ein Angebot für ein anderes Spar- oder Anlageprodukt anzunehmen", rät Berger-Partner Heideloff.

Entscheidend ist auch, wie Kreditinstitute die Einlagenelastizität modellieren. So sollte das eingesetzte Modell genau quantifizieren, inwieweit Veränderungen im Einlagenvolumen und verschiedene Faktoren, die Zu- und Abflüsse von Spargeldern mitbestimmen können, voneinander abhängen. Zu den wichtigsten Faktoren zählen hier Marktzinssätze, das BIP-Wachstum und die Höhe des Zinssatzes der jeweiligen Bank im Vergleich zu anderen Kreditinstituten.

Die Auswertung des Sparverhaltens der Kunden und die Modellierung der Elastizität des Einlagenvolumens können Banken bei folgenden Aspekten helfen:

 

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