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Artikel - e-World -  Selbstmanagement

 

 

Vom unternehmerischen Umgang mit Geld

von Stefan Merath

 

Zielstellung

Nur ein kleiner Teil der Unternehmer aus kleinen und mittleren Unternehmen verdient mehr als ein Angestellter mit demselben Tätigkeitsbereich. Nach meinen Erfahrungen aus dem Coaching einer dreistelligen Zahl von Unternehmern schätze ich diesen Teil auf etwa 20 bis 25 Prozent. Dass diese Unternehmer trotzdem ihr eigenes Unternehmen führen, hat bei einem großen Teil auch mit ganz anderen Motiven zu tun als Geld. Obwohl natürlich der Traum der finanziellen Freiheit auch eine Rolle spielt.

Aber anderes ist wichtiger. Die eigenen Träume verwirklichen. Die Unabhängigkeit. Die Selbstverantwortung. Immer dann, wenn es finanziell nicht so gut läuft, wird dies – auch von Unternehmern – gegeneinander gestellt. So in etwa: Mir ist die Unabhängigkeit wichtiger als das Finanzielle. Ganz nach dem Motto: "Das Immaterielle ist letztlich doch wichtiger."

Das ist Unsinn! Erstens lässt sich das "Immaterielle" sehr viel besser verwirklichen, wenn das "Materielle" stimmt. Zweitens, und sehr viel wichtiger (obwohl auf den ersten Blick nur Haarspalterei), führt die gedankliche, dualistische Trennung zwischen Materiellem und Immateriellem wie immer in die Irre: Geld ist nämlich nicht "materiell" und Träume sind oft nicht "immateriell".

Die Frage, die sich stellt, ist, wie kommen Unternehmer zu einem adäquaten Umgang mit Geld? (Dass natürlich auch die Strategie stimmen muss, damit überhaupt Geld herein kommt, ist ein ganz anderes Thema).

 

Grundlegendes

Beginnen wir kurz bei den Grundlagen (ausführlich dazu in meinem Buch "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer"). Der ausschließliche Zweck eines Unternehmens ist, seinen Kunden Nutzen zu bieten. Der Zweck eines Unternehmens ist nicht, Profite zu erwirtschaften, Arbeitsplätze zu schaffen oder sonstige Anliegen irgendwelcher Interessengruppen zu erfüllen.

Die Aufgabe eines Unternehmers ist die, ein Unternehmen zu schaffen, das diesen Zweck erfüllt, also seinen Kunden Nutzen bietet. Das Produkt des Unternehmens ist zum Beispiel Software, das Produkt des Unternehmers ist nicht Software, sondern die Software-Firma. Und sein Kunde ist auch nicht der, der die Software kauft, sondern der, der die Software-Firma kauft (oder übernimmt) – also sein Nachfolger.

Damit ist die Aufgabe des Unternehmers, ein Unternehmen zu schaffen, das den zukünftigen Kunden des Unternehmens mehr Nutzen bietet als heute – er will ja den Nutzen für den Nachfolger steigern. Damit er diese Aufgabe erfüllen kann, benötigt er Energie. Genauer: Überschüssige Energie, die über die notwendige Energie zur Produktion der Software hinaus reicht und es ihm ermöglicht, ein besseres Unternehmen zu schaffen. Diese Energie heranzuziehen und auszurichten, ist klare Unternehmeraufgabe (die dritte Aufgabe des Unternehmers, vgl. Die Aufgaben des Unternehmers).

Und nun zurück zum Geld: Geld ist eine Form von Energie. Genau genommen ist Geld das Vertrauen darauf, dass irgendwann irgendjemand irgendeine Leistung mit einem gewissen Wert erbringen wird. Eben dann, wenn ich diesem jemand eine bestimmte Menge Geld gebe. Wohnt man zum Beispiel in Simbabwe oder bekommen wir hier dank der freizügigen (und in großen Teilen völlig sinnlosen "Krisenbekämpfungsausgaben" der Regierungen, vgl. meinen Beitrag zur Wirtschaftskrise) eine Inflation, dann merkt man sehr schnell, dass das Vertrauen, irgendwann eine Leistung zu erhalten vielleicht nicht zu hundert Prozent berechtigt ist. Mit anderen Worten: Geld ist (wenn man überhaupt in Kategorien von materiell und immateriell denkt), zu fast 100 Prozent immateriell. Geld ist neben dem physischen Altmetall- oder Altpapierwert nichts als Vertrauen in die Zukunft.

Zurück zum Unternehmer: Er benötigt, um seine Aufgabe auszuführen, Leistungen zur Verbesserung des Unternehmens. Also in gewisser Weise Energie. Und Geld ist eine mögliche Energieform. Eine andere ist die Begeisterung von Kunden (die dann wie zum Beispiel bei Wikipedia mitentwickeln). Wieder eine andere die Begeisterung der Mitarbeiter, die manchmal nur aus Freude oder dem Wunsch, sich an etwas zu beteiligen viel mehr geben wie sie als Gegenleistung bekommen. Wieder eine andere Form der Energie ist die Öffentlichkeit, die positiv über das Unternehmen spricht.

 

Diese Energieformen sind teilweise untereinander ersetz- und austauschbar. Letztlich muss sich der Unternehmer in einem bestimmten Verhältnis um alle diese Energieformen kümmern. Sein Job ist, dass jede dieser Energieformen zu dem Zeitpunkt, zu dem er sein Unternehmen an seinen Nachfolger übergibt, größer ist als vorher. Wohlgemerkt, nicht als Selbstzweck, sondern zur Vergrößerung des Nutzens der zukünftigen Kunden des Unternehmens.

 

Mit anderen Worten: das Geldvermögen oder Kapital des Unternehmens ist eine Teilkomponente der Energien, die die Weiterentwicklung des Unternehmens ermöglichen. Und es ist der Job des Unternehmers, die Energie auch dieser Teilkomponente zu erhöhen. Tut er dies nicht, so erfüllt er seinen Job nicht richtig.

 

Die Fähigkeit, Geld zu vermehren

Wenn ich mir nun die Selbständigen und Unternehmer aus meinen Coachings betrachte, dann fällt eines sehr schnell auf: Unternehmensinhaber, bei denen privat die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, machen praktisch immer auch im Unternehmen Gewinne. Und solche, die privat nicht mit Geld umgehen können, schaffen es auch in ihrer Firma nicht.

Das hat nebenbei nichts mit der Höhe der Einnahmen zu tun. Ich hatte einen Gründer im Coaching, der nur 900 Euro im Monat aus seiner Firma entnehmen konnte. Und davon hat er noch 100 Euro gespart. Und ich hatte umgekehrt einen Unternehmer mit 800.000 Euro Jahresnetto-Einkommen und 1 Mio. jährlicher privater Ausgaben. Das Unternehmen des Gründers wuchs, das Unternehmen des anderen war kurz vor dem Untergang.

Natürlich werden nun die meisten Leser sagen: "Also wenn ich 800.000 Euro netto im Jahr hätte, dann wäre ich nicht so blöd. Aber jetzt kann ich noch nicht sparen, weil..." Die Wahrheit ist: Sparen ist eine Gewohnheit. Und diese Gewohnheit hat nichts mit der Höhe der Einnahmen, sondern ganz allein mit der eigenen Prioritätensetzung (und den eigenen Glaubenssätzen, s.u.) zu tun. Solange man diese Prioritäten nicht ändert, werden die Ausgaben immer im selben Verhältnis mit den Einnahmen steigen. Der oben erwähnte Gründer war zuvor als Angestellter beschäftigt mit etwa 2.800 netto Monatseinkommen. Und er hatte entsprechende Verpflichtungen. Weil ihm das langfristige Sparen wichtig war, fand er Wege, auch mit 900 Euro im Monat zu sparen.

Die Fähigkeit, Geld zu vermehren hat somit nichts mit der Höhe der Einnahmen zu tun. Und sie zeigt sich im privaten wie im unternehmerischen gleichermaßen.

 

>> Teil 2 >>

 

 

 

 
 

 

 

 

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Stand: 13. Dezember 2014