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Arnie meint ...

Arnie ist das Maskottchen von themanagement.de - ein neugieriger und manchmal etwas vorlauter Graupapagei. Deshalb macht er sich auch reichlich Gedanken zu dem, was um ihn herum geschieht. 
An dieser Stelle bekommt Arnie Gelegenheit, seine Gedanken zum Zeit- und Wirtschaftsgeschehen und zu allem, was ihn sonst noch bewegt, kundzutun.
Ein nicht ganz ernst gemeinter Blick auf die Welt aus Papageiensicht:

 

Mehr Gedanken von Arnie finden Sie hier

 
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Arnie philosophiert....
über Hype und Anti-Hype um das E-Business

Erinnern Sie sich noch, als der E-Business Hype in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres immer höhere und höhere Wellen schlug? Wir reden hier von der Zeit, als auch der letzte durchschnittlich am Wirtschaftsleben interessierte Bürger und der letzte Wirtschaftsredakteur eines Lokalblattes begriffen hatte, dass E-Business wirklich Einfluss auf unser aller Leben gewinnen würde – und dass das Internet der Ort war, an dem die neuen Millionäre gemacht wurden. Es war jene unbeschwerte Zeit, bevor mit der spektakulären Pleite von boo.com der Anfang vom Ende eingeläutet wurde.

Arnie blickt mit einem wehmütigen Lächeln zurück und stellt fest, dass hinterher mal wieder alle schlauer sind. Heute sagen alle, dass das ja nicht gut gehen konnte. Magazine und Kommentare zeigen die Fehler in den Geschäftsmodellen ehrgeiziger Start-ups auf, analysieren Schwächen in Führungsteams, Businessplänen und Strategien.  Fachjournalisten fordern schärfere Regelungen für den Neuen Markt. Dabei werden Internet-Start-ups genauso wenig verschont, wie die E-Business Aktivitäten der nun wieder höher in der Gunst stehenden Old-Economy Unternehmen. Arnie hat reichlich Beispiele für die aktuelle Stimmung in Medien und öffentlicher Meinung parat: Da beschreibt das Manager-Magazin in seiner August-Ausgabe die sieben Todsünden des E-Business. Von unklaren Zielsetzungen über mangelnde Führung und Inkompetenz bis zu gravierenden Fehleinschätzungen von Kosten und Erträgen ist alles dabei. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet den Neuen Markt als „vom Vorzeigeobjekt zur Spielhölle verkommenes Marktsegment“. Eine Accenture-Studie befasst sich ebenfalls mit den Fehlern der Dotcoms. Sie benennt u.a. eine ausschließliche Fokussierung auf die vermeintliche Preissensitivität der Online-Käufer, fehlende Orientierung an größeren und kaufwilligen Zielgruppensegmenten oder unsystematischen Markenaufbau. Die Welt am Sonntag betitelt einen Beitrag zu dieser Studie mit „Das Ende der Online-Mythen“.

Arnie staunt – da war also alles, woran wir noch vor 1 ½ Jahren geglaubt haben nicht viel mehr als Mythen und Fehleinschätzungen? Wie kam das? Sind wir alle nur geldgierigen Jungunternehmern aufgesessen, denen ein schneller Börsengang wichtiger war als der Aufbau eines soliden Unternehmens? Oder waren es die Analysten, die auf Druck der Investmentbanken zu optimistische Unternehmensbewertungen verbreiteten (wie das Manager-Magazin unlängst erkannt hat)?
Arnie drehte sich bei seiner Suche nach den „Schuldigen“ lange Zeit im Kreise und kam zu dem Ergebnis, dass wirklich niemand ganz schuldlos an diesem maßlosen Hype war. Es war aber auch niemand der große Hauptschuldige. Jeder hat dem anderen geglaubt und hat damit sein Teil zum Wachstum der Dotcom-mania beigetragen:

Nachdem die ersten bekannten Unternehmen wie Amazon, Dell oder AOL das Internet zum Medium für echte Business-Aktivitäten machten und die ersten Dotcom-IPOs alle Beteiligten zu Millionären machten, waren alle begeistert. Der Hype nahm seinen Lauf.
Die Medien hatten endlich ein Thema gefunden, das wissbegierig vom Publikum aufgesogen wurde; Branchenblätter schossen aus dem Boden und unterfütterten den Hype mit immer neuen Meldungen von Börsenhöhenflügen und Neu-Millionären. Studenten, Computerfreaks und Hausfrauen begannen, an Businessplänen zu arbeiten. Sie sorgten für einen ständigen Nachschub an hoffnungsvollen Start-ups, die erst mal Investitionen tätigten und Personal einstellten – je mehr, je besser. Consultants verließen ihre Arbeitgeber, um für Aktienoptionen und einen Vorstandsposten in der New Economy Karriere zu machen. Venture Capital Firmen witterten das große Geld. Außerdem war so viel Liquidität an den Finanzmärkten, dass alle Arten von Investoren erfolgversprechenden Anlagemöglichkeiten geradezu hinterherliefen. Jeder, der in der Lage war, seine Geschäftsidee in einigen kurzen Minuten halbwegs überzeugend darzustellen, erhielt sein Geld. Der Begriff „elevator-pitch“ wurde als Synonym geboren. Die Investmenthäuser waren begeistert, ihre Analysten ebenso. Renommierte Beratungsunternehmen bauten eiligst E-Business-Practices auf und erstellten Studien über die Zukunft des E-Commerce und die Trägheit der Old-Economy.  Schließlich ließen sich auch die Kleinanleger anstecken. Menschen, die sich bisher kaum trauten Standardwerte zu kaufen, mussten jetzt unbedingt Dotcom-Aktien im Depot haben.
All diese Entwicklungen verstärkten sich gegenseitig und trieben die Börsenkurse ebenso wie den Hype auf immer neue Höhen.

Wem wollen Sie nun die Schuld geben an dem darauffolgenden Desaster – den Jungunternehmen, die mit schlecht durchdachten Geschäftsmodellen und fast größenwahnsinnigen Wachstumsplänen viel Geld verbrannt haben? Sicher. Den VCs und Investmentbanken, die unkritisch jeden an die Börse brachten, der für irgendwann einmal einen Gewinn prognostizieren konnte? Sicher auch. Den Analysten, die den Unternehmen glänzende Zukunftsaussichten bescheinigten? Ja. Den Fondsmanagern, die sich in die Wachstumsbörsensegmente einkauften? Wohl auch. 
Und was ist mit den Beratern die uns allen so eindringlich erklärt haben, dass Wachstum, Größe und Geschwindigkeit die neuen Erfolgsfaktoren sind? Den Wirtschaftsjournalisten, die die New Economy gefeiert haben, ohne zu fragen was dahinter steckt? Und wie sieht es mit den Kleinanlegern aus, die unkritisch jede Information aufgesogen haben, die sie bekommen haben und die endlich auch teilhaben wollten am großen Geld? Was ist also mit all denen, die es jetzt entweder immer schon gewusst haben (siehe neueste Beraterstudien und Presseberichterstattungen) oder die sich jetzt so schändlich betrogen sehen?
Arnie jedenfalls findet, dass wir alle nur zu bereit waren, an die Verheißungen der neuen Internet-Wirtschaft zu glauben. Damit sind wir alle nicht ganz schuldlos.

Was Arnie nun aber wirklich befremdet ist die Intensität, mit der der Hype nun in die Gegenrichtung ausschlägt. Die Journalisten und Magazine können sich einer gewissen Häme über die gravierenden Fahler der börsennotierten Start-ups nicht erwehren. Die Berater erstellen die nächste Auflage Studien, in der sie ebenfalls – nur nüchterner – auf Ursachenforschung gehen. Investoren sind bei allem, was ein E- im Namen hat extrem vorsichtig geworden. An die Börse kann man solche Firmen praktisch nicht mehr bringen, denn auch die Anleger fassen freiwillig keine Internetfirma mehr an. Überhaupt erinnert die Kursentwicklung an den Börsen an „Rette sich wer kann“ – Strategien. Die Kleinanleger sind maßlos enttäuscht und trauen gar keinem mehr.

Ja war denn nun alles schlecht und besteht gar keine Hoffnung mehr? Arnie vermisst bei diesem Anti-Hype ebenso wie bei dem vorangegangenen Hype eine gewisse Sachlichkeit und Differenziertheit. Sicher findet man in den Studien und Kommentaren auch noch den einen oder anderen Lichtblick und ein Gründerteam mit einem wirklich guten Konzept wird wohl auch heute noch seine Finanzierung bekommen. Aber so richtig wahrgenommen wird das in der Öffentlichkeit derzeit nicht. 

Immerhin hat Arnie Hoffnung. Wenn sich endgültig die Spreu vom Weizen getrennt haben wird und alle nur denkbaren Desaster in der New Economy eingetroffen sind, wird es auch wieder vorsichtig aufwärts gehen. Arnie ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass er auch in zehn Jahren noch Bücher über das Internet kaufen kann. Er weiß nicht, ob es dann noch ein Amazon.com gibt oder ob Amazon.com dann noch einem Jeff Bezos gehört, aber irgendwer wird ihm ganz bestimmt noch ein Buch online verkaufen. Warum also soll Arnie jetzt in den Abgesang auf die New Economy einstimmen?

(August 2001)

 
     
 

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Stand: 22. Februar 2010